Das Besinnliche der vergangenen Wochen finden Sie auch in unserem Archiv.

Besinnliches zu Pfingsten

Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, weisst aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.

(Johannes 3,8)

Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

(2 Timotheus 1,7)

Wer verzagt, nimmt sich selbst nicht ernst genug

Das Bibelwort aus dem 2. Timotheusbrief begleitet mich schon seit vielen Jahren. Seine lebensbejahende Dynamik berührt mich immer wieder: Die Verzagtheit wird nur kurz angetippt, dann geht der Blick hin zu dem, was das menschliche Zusammenleben froh und lebendig macht. Das hat Schwung. Ängstliches Bedrücktsein kann sich da kaum ausbreiten.

Der Schreiber kennt zwar die Verzagtheit. Aber besonders ernst nimmt er sie nicht. Denn ihn bewegt Gottes Geist. Dieser bringt ihm Kraft, Liebe und Besonnenheit. Das sind leitende Werte für unser Leben – auch in schwierigen Situationen. Der Geist verhindert, dass wir uns in uns selbst verlieren. Kraft, Liebe und Besonnenheit führen uns heraus aus der verzagten oder misstrauischen Vereinzelung, hinein in die Gemeinschaft mit anderen.

Der Schreiber spricht von dem Geist, der Jesus erfüllte. Pfingsten feiern wir, dass dieser Geist auch uns verliehen ist, jedem, der zu Gott gehört.

Und wenn ich davon nichts merke? Wenn ich daran zweifle, ob es stimmt? „Was für eine verzagte Frage!“, würde der Schreiber da wohl sagen: „Du übersiehst, was dank Gott in dir steckt: Kraft, Liebe und Besonnenheit. Es mag dir wenig erscheinen, doch auch das kannst du segensreich einsetzen. Nimm das doch ernst und lebe danach.“

In diesem Geist leben – das scheint mir auch für die jetzige Zeit wichtig und hilfreich. So können wir die teils schwierigen Situationen gemeinsam gut durchleben. Wo können wir mit unserer körperlichen, gedanklichen, seelischen oder finanziellen Kraft etwas erreichen, andere unterstützen, neue Ideen umsetzen? Wo können wir liebevoll Kontakte pflegen, zuhören, Brücken bauen, Wertschätzung ausdrücken? Und wie handeln wir besonnen, indem wir bei den Lockerungen weiterhin vorsichtig sind und zugleich das Sinnvolle tun oder indem wir neue Erkenntnisse prüfen und nicht nur unseren Impulsen folgen?

Kraft, Liebe und Besonnenheit – Gottes Geist bewegt uns in eine gute Richtung. Das sollten wir ernst nehmen und danach leben. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen frohe Pfingsten!

Caren Algner

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Besinnliches zum Wochenende Auffahrt, 21.-24. Mai 2020

"Was steht ihr da und schaut hinauf zum Himmel?"

(Apostelgeschichte 1,11)

Out of the box

Wir sollen immer mal wieder «out of the box» denken, das heisst: ausserhalb unserer Kiste/Schachtel. Es stimmt wahrscheinlich für uns alle, dass unsere Gedanken meist da enden, wo unsere gewohnte Lebenswelt aufhört. Wir denken in den alltäglichen Schemen und wir leben so, wie wir es gewohnt sind. Ausbrechen, ganz Neues denken und das Neue sogar ausprobieren, das ist eher selten. Ich mache das nur, wenn ich wirklich muss, wenn ich durch die Umstände dazu gezwungen werde.

In dieser Pandemiezeit mussten und müssen wir über unsere Gewohnheiten hinausdenken. Sitzungen werden als Videokonferenzen gehalten, Gottesdienste feiern wir Zuhause, statt ins Fitnesszentrum gehen wir in den Wald… Wir müssen Neues ausprobieren, die Box öffnen und verlassen. Dabei merken wir, dass noch viel mehr möglich ist, als wir bisher angenommen haben. Wir können acht Wochen gut überstehen, ohne neue Kleider zu kaufen. Wir halten mit unseren Nächsten Kontakt, ohne sie zu sehen. Wir arbeiten Zuhause und sogar die Kinder lernen ohne offene Schule.

Wenn wir gezwungen sind, alte Wege zu verlassen und neue einzuschlagen, dann können wir das auch. Unser Denken geht weiter als bis zur Decke. Wir arrangieren uns mit neuen Umständen, wir denken «out of the box» und leben anders als gewohnt. Das braucht zwar Kraft und Zeit, aber es geht wirklich.

Für die Menschen, die Jesus nachfolgten, war es unumgänglich, Neues zu denken. An Auffahrt entschwand Jesus ihren Augen, wurde in den Himmel emporgehoben und von Wolken aufgenommen. Während sie dastehen und in den Himmel schauen, werden sie darauf hingewiesen, dass das nichts nützt. Sie müssen nun den unsichtbaren Jesus neu denken und anders mit ihm in Kontakt treten als gewohnt. Sie müssen sich mit der neuen Situation auseinandersetzen und das Beste daraus machen. Das gelingt ihnen, indem sie den Satz von Jesus neu verstehen lernen: «Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.» Das ist nur als unsichtbarer Jesus für alle Menschen und Zeiten möglich.

Esther Walch Schindler

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Besinnliches zum Wochenende 16./17. Mai 2020

"Wenn du aber betest, geh in deine Kammer, schliess die Tür und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. (...)

Euer Vater weiss, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet."

(Matthäus 6,6a & 8b)

Im stillen Kämmerlein

Jetzt wollen wir doch alle endlich wieder raus. Was soll da ein Bibelwort, das uns zum Zurückziehen auffordert?

Am Sonntag Rogate (Betet!) steht das Beten im Mittelpunkt. Es gibt die unterschiedlichsten Formen des Betens: laut oder leise, alleine oder gemeinsam mit anderen, frei oder mit geprägten Worten, für uns oder für andere, sprechend, still oder singend…

In seiner Bergpredigt empfiehlt Jesus, in welcher Weise, mit welcher Einstellung wir beten sollen. Auch er kannte schon den allgemeinen Aktivismus, der schnell zum gegenseitigen Überbieten führt. Ein Aktivismus, der die eigentlichen Bedürfnisse, aber auch Gott schnell aus dem Blick verliert. Ein Aktivismus, der uns leicht abhängig macht von Anerkennung und Aufmerksamkeit anderer.

In den vergangenen Wochen haben wir erfahren dürfen, dass es diesen Rummel (meist) gar nicht braucht. Es wäre wunderbar, wenn wir dies als eine Erkenntnis beibehalten können und uns immer wieder Momente des Besinnens gönnen.

Jesus meint mit dem „stillen Kämmerlein“ einen Ort, an dem wir nicht abgelenkt werden, an dem wir uns nicht damit aufhalten müssen, bei anderen eine Wirkung zu erzielen. Ein ganz privater Bereich, der selbstverständlich auch in der freien Natur sein kann.

An solch einem Ort können wir mit Gott in Kontakt treten, in ein ehrliches Gespräch mit ihm kommen. Dabei geht es nicht darum, wer am schönsten und am längsten betet, wer die besten Gebetsideen hat oder die ausgefeilteste Sprache. So wie wir wollen und können, dürfen wir mit Gott reden, weil er sich als liebender und sorgender Vater für seine Geschöpfe gezeigt hat, vor allem in Jesus Christus.

Gott weiss, was wir brauchen, noch bevor wir unser Gespräch mit ihm beginnen. Die Aufgabe unseres Gebetes ist es also nicht, die Stimmung Gottes zu ändern. Nicht immer wird „unser Wille“ geschehen. Aber dieses Gespräch mit dem, der uns bedingungslos liebt, beruhigt und bestärkt - allein schon, weil wir ohne Sorge um Aussenwirkung wir selbst sein dürfen.

Steffen Emmelius

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Besinnliches zum Wochenende 9./10. Mai 2020

«Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er hat Wunder getan.»

(Psalm 98,1)

Ihr habt Lieder

Am Sonntag Kantate dreht sich alles um Musik und Gesang. Kantate – Singt! „Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er hat Wunder getan.“

Der Psalm 98 wurde vor ca. 2500 Jahren von den Menschen gesprochen und gesungen, die nach fast 50 Jahren endlich aus dem Exil befreit wurden. Sie hatten allen Grund zum Jubeln: Endlich waren sie frei. Und für sie war eindeutig: Gott hat uns aus dieser Gefangenschaft befreit.

Diese grossartige persönliche Gotteserfahrung führte dann zu ganz eigenen, insofern ganz neuen Lobgesängen der Israeliten zu Gott. Der überschwängliche Dank ist derart gross, dass daraus ein Lobpreis in neuer, nie gehörter und unübertroffener Weise entsteht. Das menschliche Gotteslob soll gemäss dem Psalmbeter neben der Stimme mit allen erdenklichen Instrumenten und Stilrichtungen erfolgen. Auch die ganze Schöpfung soll in dieses Loben einstimmen: das Meer, der Erdkreis, alle Lebewesen, Ströme, Berge.

Was gibt es Schöneres, als aus dem Innersten zu singen, erfüllt und unbeschwert?

Wenn es uns singt.

„Böse Menschen haben keine Lieder.“ Diese Liedzeile J. G. Seumes ist mittlerweile zum Sprichwort geworden. Unbeschwert singend kommen wir überhaupt nicht auf die Idee, einen bösen Gedanken oder eine böse Absicht zu haben. Wenn wir Menschen sehen, die inniglich singen, wenn wir selbst aus vollem Herzen singen, spüren wir dieses Erfüllt-Sein, diese Unbeschwertheit.

Es gibt so viele dieser wunderbaren Lieder, bei denen man einfach mitsingen möchte, z.B. „Trau dich“ (Berge), „An guten Tagen“ (J. Oerding), „Sowieso“ (M. Forster), „Ich sing dir mein Lied“, „Du meine Seele, singe“, Halleluja (Händels Messias), Gospels und so viele mehr.

Hören und schauen Sie sich, hört und schaut euch diese Lieder wieder einmal an und singen Sie/singt mit. Bis wir es wieder gemeinsam tun dürfen.

Ihr habt Lieder.

Steffen Emmelius

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Besinnliches zum Wochenende 2./3. Mai 2020

«Ihr sollt sagen: Wenn der Herr es will, werden wir leben und dies oder jenes tun.»

(Jak 4,15)

Immer wieder mal habe ich Einladungen bekommen, die am Schluss vermerkt haben «sub conditione Jacobi», was so viel heisst wie: unter der Voraussetzung des Jakobus. Gemeint war damit dieser Vers aus dem Jakobusbrief. Mich hat das immer geärgert, weil ich dachte, dass ich ja sowieso die Einladung wahrnehmen werden. Da kommt mir nichts dazwischen, sie ist in meiner Agenda vermerkt.

In dieser Corona-Virus-Zeit bekommt dieser Bibelabschnitt viel Sinn. Plötzlich finden Sitzungen nicht mehr statt, werden Veranstaltungen abgesagt und die meisten Termine in meiner Agenda können nicht wahrgenommen werden. Unsicherheit, Abhängigkeit von Entscheiden anderer und das Durchkreuzen der Zukunftspläne prägen meinen Alltag. Vorher galt für mich: «Wohlan, die ihr sagt: Heute oder morgen werden wir in die und die Stadt aufbrechen, ein Jahr dort verbringen, gute Geschäfte machen und Gewinn erzielen!» Ich machte Pläne und bereitete die Zukunft vor. Praktisch ohne Vorwarnung wurde mir gesagt: «Ihr wisst ja nicht, was morgen sein wird, wie es dann um euer Leben steht» (Jak 4,13-14).

Es fällt mir schwer, die nächsten Tage, Wochen und Monate nicht planen zu können oder nur unter der Voraussetzung, falls es dann wirklich möglich und erlaubt ist. Das braucht eine grosse Umstellung. Aber was ändert damit in unserem Leben?

Ich muss / wir müssen wieder mehr im Jetzt leben, den Moment geniessen, unsere Sinne öffnen für das, was gerade ist. Noch in keinem Frühling habe ich so häufig über die blühenden Obstbäume gestaunt, noch nie habe ich die kurzen Begegnungen mit Mitmenschen beim Einkaufen so genossen, bisher nahm ich schöne Abendstimmungen nie so aufmerksam wahr… Ich weiss nicht, was am nächsten Tag sein wird. Doch das Abendrot kündet einen neuen Tag an. Statt viel Zukünftiges zu organisieren, bin ich / sind wir aufgefordert, den heutigen Tag zu gestalten und das mit allen Sinnen wahrzunehmen, was es gerade zu erleben gibt. Hoffentlich prägt das Erleben des Unverfügbaren in dieser Lockdown-Zeit unser Bewusstsein nachhaltig.

Esther Walch Schindler

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Besinnliches zum Wochenende 25./26. April 2020

„Ich setzte meinen Fuss in die Luft ...“

Vertrauen ist immer ein Wagnis. Es ist, als ob ich meinen Fuss ins Leere setzte, ohne zu wissen, ob ich Halt finde. Doch in einer guten Beziehung empfinde ich Vertrauen nicht als riskant. Im Gegenteil: Vor mir öffnet sich ein Raum, in dem ich mich sicher und angstfrei bewegen kann – eine wohltuende Erfahrung! Dieser Raum entsteht bei jeder Begegnung neu. Gerade dadurch ist eine vertrauensvolle Beziehung so beglückend.

Einen Raum des Vertrauens eröffnet auch Gott für uns. Die Bibel lädt uns dorthin ein, indem sie Gott mit einem guten Hirten vergleicht. Besonders schön und anschaulich ist der 23. Psalm: „Der Herr ist mein Hirt, mir mangelt nichts …“  Dieser Hirt versorgt seine Herde mit allem, was sie braucht. Er ernährt, leitet und beschützt sie: „Wandere ich auch im finstern Tal, fürchte ich kein Unheil, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab, sie trösten mich.“

Wer den Psalm nachspricht, lebt sich in die Vorstellung hinein: So sorgt Gott auch für mich. So ist er „bei mir“. Ich kann mich ihm anvertrauen – auch wenn ich durch ein „finsteres Tal“ gehen muss.

Am 2. Sonntag nach Ostern besinnen sich Christen traditionell auf den Vergleich von Gott bzw. Christus mit einem guten Hirten. Das stärkt unsere Zuversicht, vermittelt Geborgenheit und entlastet uns von dem Druck, alles selber machen zu müssen.

Wir können diese Wirkung nicht erzwingen. Aber die biblischen „Hirtentexte“ können uns helfen, uns dafür zu öffnen. Probieren Sie es einfach aus. Lesen Sie in Ruhe Psalm 23,1-4 oder Christi „Hirtenrede“ aus Johannes 10,11-16, als wären die Worte für Sie gedacht. Tun Sie es wieder. So lässt sich Vertrauen üben. Und vielleicht erleben auch Sie dann das „Wagnis“ des Gottvertrauens im Sinn von Hilde Domins Wort: „Ich setzte meinen Fuss in die Luft, und sie trug.“

Caren Algner

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Besinnliches zum Wochenende 18./19. April 2020

„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ 

(Johannes 20,29)

„Ich glaube nur das, was ich mit eigenen Augen sehe“, sagen viele. Wir Menschen hätten immer gerne etwas Handfestes, etwas, das man anfassen kann oder das man wirklich sehen kann.

Vor einer Woche haben wir Ostern gefeiert, die Auferstehung Jesu. Etwas gänzlich Unfassbares. Auch viele Jünger konnten die Botschaft von der Auferstehung Jesu zunächst nicht glauben. Der Jünger Thomas sprach es aus: „Ich glaube nur das, was ich sehe.“

In die Geschichte ist Thomas als „der Ungläubige“ eingegangen. Genau genommen stimmt diese Bezeichnung gar nicht. Denn er ist nicht ungläubig. Nein, er zweifelt, er hinterfragt, er ist kritisch. Er ist wirklich am Glauben interessiert.

Der Jünger Thomas hätte ja auch sagen können: „Jesus ist jetzt tot. Aus, vorbei. Nun mache ich halt etwas anderes und ziehe weiter.“ Aber nein, er glaubt weiterhin. Er fragt. Er hinterfragt. Er möchte mehr wissen.

Thomas sagt nur ganz deutlich das, was die anderen Jünger wohl auch gedacht haben und was eben auch heute noch viele Menschen so sagen: „Ich glaube nur das, was ich sehe.“

Eigentlich ist Thomas also nur sehr ehrlich: Er möchte es genau wissen. Und äussert seine Zweifel.

Und das ist gut so. Denn Glauben ist nicht Wissen. Deshalb gehören zum Glauben auch immer Zweifel. Zweifeln hat seine Berechtigung. Zweifeln hält kritisch und aktiv im Geist.

Wer zweifelt, der macht sich Gedanken, stellt vieles in Frage, hinterdenkt vieles. Wer zweifelt, bleibt im Glauben, lebt einen aktiven Glauben.

Deshalb sagt Jesus am Schluss der Begegnung zu Thomas: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ Anders formuliert: „Glücklich sind die, die zweifeln, aber damit einen lebendigen Glauben haben.“

Dieser biblische Bericht über Thomas möchte uns helfen, gelassen glauben können.

Wir werden niemals alles bis ins Letzte wissen können, in der Naturwissenschaft nicht und auch im Glauben nicht. Aber wir sollen dran bleiben, kritisch hinterfragen, kritisch mitdenken, mitmachen und vertrauen und glauben.

Es lohnt sich.

Steffen Emmelius

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Besinnliches zu Ostern

Ostern macht Hoffnung

In diesen Tagen wird uns wieder bewusst, wie wertvoll Hoffnung ist. Sie macht unser Herz leicht und lässt uns zuversichtlich nach vorn blicken. So können wir auch Bedrückendes leichter ertragen. Das ist gerade in diesen Zeiten besonders willkommen. Unser Alltag steht kopf und niemand weiss, wohin uns diese Krise noch führt. Wer da die Hoffnung verliert, der trägt am Leben wie an einem schweren Kreuz.

Auch auf unserer neuen Osterkerze ist ein Kreuz zu sehen. Doch es wirkt nicht düster und schwer. Dieses Kreuz ist in Bewegung geraten. Es ist in der Mitte aufgebrochen. Deshalb kann man sehen, was dahinter ist: Die rote Kugel erinnert mich an die aufgehende Sonne des Ostermorgens und daran, dass Christus selbst als Sonne und Licht der Welt bezeichnet wird. Goldenes Licht umgibt den Sonnenball und lässt sogar das Kreuz golden glänzen. Gold ist ein Sinnbild für Göttliches.

Dieses Motiv zeigt symbolisch, warum Ostern die Quelle der christlichen Hoffnung ist. Hier wurde sichtbar, dass Gott der Hintergrund unserer Welt ist. Er leuchtet in unserem Leben auf. Kein Kreuz der Welt ist ihm gewachsen. Nichts kann uns von Gottes Liebe scheiden (Römer 8,39).

Mir macht das Mut zur Hoffnung. Kreuze vergehen, Gott aber bleibt. Am Ende treffen wir immer auf ihn. Das hat Ostern sichtbar gemacht. Hier, und nicht in uns selbst, ist unsere sichere Hoffnung begründet.

Wie erstaunlich und wundersam das ist, bezeugen alle Ostergeschichten. Eine der schönsten – der Gang der Jünger nach Emmaus – zeigt zudem, wie Gott uns nach und nach die Augen dafür öffnet (Lukas 24,13-35). Wir müssen ihn nur lassen. Ostern ist das Fest der ansteckenden Hoffnung.

In diesem Sinn wünsche ich allen frohe Ostern!

Caren Algner

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Orgelmusik zu Ostern

Christ ist erstanden - J.S. Bach - BWV 627

gespielt von Mechthild Riehle

Orgelmusik zu Karfreitag

J. S. Bach: O Mensch, bewein dein Sünde groß, BWV 622

gespielt von Mechthild Riehle

Besinnliches zum Wochenende 4./5. April 2020

«Hosanna, gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn!» Mk 11,9

Am Palmsonntag zog Jesus auf einem Esel in Jerusalem ein. Er wurde gefeiert wie ein König, Blätter und Palmzweige wurden vor ihm auf den Weg gelegt. Das ist zu vergleichen mit dem roten Teppich, auf dem zum Beispiel in Cannes die Filmstars unter Blitzlichtern ins Palais des Festivals gehen. Der Wanderprediger Jesus wurde unverhofft wie ein Held empfangen. 

Während der Coronavirus-Krise gibt es plötzlich ganz neue Helden und Heldinnen: Pflegepersonal, Verkäuferinnen, Postboten oder Lastwagenchauffeure... Sie wirken sonst eher im Hintergrund und stehen nun auf dem roten Teppich. Ihnen wird applaudiert, sie treten ins Rampenlicht. Filmclips werden gedreht. Es wird uns klar, dass die eigentlichen Heldinnen und Helden ganz andere Menschen sind als die, die sonst in Hochglanzzeitschriften bejubelt werden. Es sind die Leute, die eher übersehen werden, deren Arbeiten uns selbstverständlich und alltäglich vorkommen, die still und treu ihre Dienste ausführen und an ihre Mitmenschen denken.

Mir gefällt, dass sie nun auch einmal auf dem roten Teppich stehen. Uns wird bewusst, was solche Menschen für uns leisten. Endlich wird ihnen gedankt, werden sie bewundert und beklatscht. Hoffentlich hält diese Bewunderung an. Ihnen sollen wir danken und damit überhaupt dankbarer werden für all das Gute, das uns trotz allem immer widerfährt.

Hosanna heisst übersetzt: «Hilf doch!» Von Jesus wird Hilfe erwartet, er wird als Helfer und Retter angerufen. Die jubelnde Menschenmenge erwartete Besserung und Hilfe. Ist das nicht genau der Ruf, der uns auch auf den Lippen liegt? «Hilf doch! Hilf uns, Gott.»

Auch wir erwarten Hilfe, Rettung und Heil. Vielleicht rückt Gott gerade jetzt aus den sonst eher stilleren und unbeachteten Winkeln unseres Lebens wieder mehr ins Rampenlicht, mehr in unseren Blick. Er will uns Halt, Vertrauen und Zuversicht geben, er kann uns heute helfen. Gott rückt uns Menschen immer wieder in den Mittelpunkt. Seine Liebe und Treue zu uns hört nicht auf. Er kommt zu uns und schenkt Vertrauen und Hoffnung. Wir wollen ihn unter uns freudig begrüssen und hosanna rufen.

Esther Walch Schindler

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Besinnliches zum Wochenende 28./29. März 2020

Warum?

Diese Frage bewegt die Menschen schon immer, vor allem, wenn Schlimmes geschieht, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen. Genau solche herausfordernden Begegnungen stehen im Mittelpunkt des Sonntags Judika, den wir an diesem Wochenende feiern. Benannt ist er nach Psalm 43: „Judica me, Deus; Gott, schaffe mir Recht“ (Ps 43,1)

Hiob wird unverdient ins Unglück gestürzt, Abraham grausam auf die Probe gestellt (1. Mose 22,1-14). Und die Frage, warum Jesus leiden muss, beschäftigt uns nicht nur in der Passionszeit.

Naheliegend ist da auch die Frage: Wo ist Gott in all diesen grauenhaften Situationen? Eine Frage, die auch unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden sehr bewegt. In ihren persönlichen Glaubensbekenntnissen, die sie zum Ende ihrer Konf-Zeit geschrieben haben, schimmert diese Frage immer wieder durch. Und leider manchmal auch mit der Konsequenz: An solch einen Gott kann man doch nicht glauben!

Mich fasziniert immer wieder, dass gerade Menschen, die Schlimmstes erlitten haben, aus tiefster Überzeugung schildern können, dass Gott bei ihnen war in diesen Zeiten. So wie der Beter des Psalm 73,23: „Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand.“ Und dann eben auch Hiob, der in allem Grauen sprechen kann: „Aber ich weiss, dass mein Erlöser lebt!“ (Hiob 19,25) Bei beiden Bibelstellen gefällt mir hier die Luther-Übersetzung besonders, da sie das hebräisch gemeinte „Dennoch“ und das „Aber“ hervorhebt.

Dadurch, dass Jesus selbst das Schlimmste erlebt hat, kann Gott uns im Schlimmen nahe sein.

Ich wünsche allen, die Mühe haben, dieses „dennoch“ zu sprechen, dass sie sich besonders von Gott getragen fühlen und sich dennoch an ihn wenden und ihre Sorgen und Mühen vor ihn bringen.

Ihr Steffen Emmelius 

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